von Thomas Kaiser (Leuphana Universität Lüneburg)
Während die erste großmaßstäbliche PNV-Karte für Niedersachsen aus dem Jahr 2003 noch auf der Bodenkundlichen Übersichtskarte 1 : 50.000 (BÜK50) beruhte, liegt zwischenzeitlich eine vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) erarbeitete aktuellere und deutlich differenziertere Bodenkarte in Form der Bodenkarte 1 : 50.000 (BK50) für Niedersachsen flächendeckend vor, die eine deutlich verbesserte räumliche Schärfe der PNV-Darstellung ermöglicht. Auf Grundlage der BK50 sowie einer Analyse des Einflusses des Klimawandels auf die PNV-Einheiten Niedersachsens hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als Fachbehörde für Naturschutz mit Unterstützung des LBEG nach gut 20 Jahren eine Neuaufstellung der PNV-Karte für Niedersachsen veranlasst. Es lassen sich insgesamt 43 niedersächsische PNV-Einheiten unterscheiden, die hinsichtlich der standörtlichen Gegebenheiten und syntaxonischen Einordnung beschrieben werden. Kartendarstellungen werden großmaßstäbig sowie als Übersichten in den Maßstäben 1 : 200.000 und 1 : 500.000 erarbeitet.
Den 34.022 Einzelpolygonen der PNV-Karte aus dem Jahr 2003 auf das Basis der BÜK50 stehen 204.186 Einzelpolygone der PNV-Karte auf Basis der BK50 gegenüber. Die Bodeneinheiten der BK50 erlauben im Bereich der Marschen und der Ostfriesischen Inseln eine deutlich differenziertere Darstellung. Im Bereich der zonalen Waldstandorte kann auf Basis der BK50 hinsichtlich der PNV-Einheiten durchgängig zwischen trockenen bis frischen sowie feuchten Standorten differenziert werden. Da teilweise eine individuelle Zuordnung der PNV-Einheiten zu den Polygonen der BK50 möglich war, können insbesondere die Auwald-Vegetationskomplexe deutlich enger gefasst werden, als es auf Basis der BÜK50 möglich war. Die Bach-Auwald-Komplexe können in Abhängigkeit von der umgebenden PNV-Einheit hinsichtlich der Basenverfügbarkeit der Standorte differenziert werden. Als neue PNV-Einheiten können die Blockhalden der höheren Lagen des Harzes, das Salzwatt und das Meer einschließlich der Brackwasserbereiche ergänzt werden. Bei den größeren Gewässern wird nun zwischen Fließ- und Stillgewässern unterschieden. Die Auswirkungen des Klimawandels führen dazu, dass die boreale Klimazone im Harz entfällt, so dass die PNV-Einheit des Reitgras-Fichten-Buchenwaldes und des Wollreitgras-Fichtenwaldes durch einen Reitgras-Buchenwald mit allenfalls geringer Fichten-Beimischung ersetzt wird. Um das landschaftliche Entwicklungspotenzial im Falle nachhaltiger anthropogener Standortveränderungen zum Ausdruck zu bringen, wird dieses in der PNV-Karte durch Aufsignierung dargestellt.
Nach Erläuterungen zur Definition der PNV werden mögliche Verwendungen von PNV-Karten in Naturschutz und Landschaftsplanung diskutiert, so die Beurteilung der Naturnähe und der Eigenart von Natur und Landschaft sowie die naturschutzfachliche Zielfindung. Für die einzelnen PNV-Einheiten in Niedersachsen wurden Listen der für Pflanzungen oder Ansaaten in der freien Natur geeigneten heimischen Gehölzarten erarbeitet.
Zur Publikation:
KAISER, T. (2024): Karte der potenziellen natürlichen Vegetation (PNV) für Niedersachsen. – Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 43 (3): 143-213 Hannover.