von Tatiane Micheletti (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung), J. Förster, P. Jacobs, T. E. Reiners, N. Hein, L. Hildebrand, M. R. Alber, J. Bumberger, K. Frank, S. A. Fritz, V. Grimm, I. Kühn, J. Settele, D. Zurell, D. Thrän, S. Attinger, A. Voskamp & K. Böhning-Gaese
Ein effektives und nachhaltiges Management von Ökosystemen erfordert die Integration ökologischer Prinzipien in die vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen, die damit einhergehen. In der Praxis scheitert dies jedoch oft an der Kluft zwischen den umfangreichen Daten aus dem Biodiversitätsmonitoring und den konkreten Bedürfnissen für Anwendungen von Entscheidungsträger*innen. Es besteht ein dringender Bedarf an prädiktiven Werkzeugen, die die Konsequenzen verschiedener Handlungsoptionen für die Biodiversität projizieren können.
Um diese Herausforderung anzugehen, wurde das Helmholtz-Projekt TripleBird ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung von integrierten, wissenschaftsbasierten Entscheidungshilfen, die auf langfristigem Vogel-Monitoring und Umweltdaten aufbauen, um anwendbares Wissen für das Ökosystemmanagement bereitzustellen. Die Projektarchitektur integriert drei zentrale Säulen:

- BirdTwin: Das Fundament bildet ein digitaler Zwilling der deutschen und europäischen Vogelwelt, der auf den umfassenden, langfristigen Daten des Vogelmonitorings (z. B. vom Dachverband Deutscher Avifaunisten, DDA) basiert.
- BirdFutures: Diese Komponente nutzt den digitalen Zwilling, um gemeinsam mit Stakeholdern aus unterschiedlichen Sektoren Biodiversitätsszenarien zu entwerfen. Dies ermöglicht die Bewertung der Auswirkungen von Maßnahmen sowie von Schutz- und Wiederherstellungsaktivitäten auf Vogelarten und -gemeinschaften.
- BirdBusiness: Übersetzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse und entwickelt konkrete Anwendungen, mit denen Praktiker aus Wirtschaft und Finanzen standortspezifische Biodiversitätsrisiken und -chancen bewerten können. Dies unterstützt direkt die Nachhaltigkeitsberichterstattung (wie die EU Corporate Sustainability Reporting Directive) und die strategische Planung naturpositiver Geschäftsmodelle.
TripleBird setzt bei der Entwicklung seiner Produkte von Beginn an auf Co-Produktion. Wir fördern einen kollaborativen, iterativen Dialog mit Stakeholdern. Durch diesen Austausch stellen wir sicher, dass unsere Methoden und Ergebnisse von realen Bedürfnissen angetrieben werden. Dieser Prozess ist entscheidend, um (1) prioritäre Managementziele sektorübergreifend zu identifizieren, (2) praxisrelevante Biodiversitätsindikatoren zu definieren und (3) lokales Wissen zur Validierung unserer Modelle zu integrieren.
Unser oberstes Ziel ist es, die treibenden Faktoren für den Biodiversitätswandel in der Vergangenheit zu identifizieren und robuste, transparente Prognosen für die Zukunft zu liefern. Diese Kombination aus Diagnose und Vorausschau ist eine wesentliche Voraussetzung, um effektive Wege in eine naturpositive Zukunft zu gestalten und umzusetzen.
Weitere Informationen:
Project PI: Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese
Kontakt: Dr. Nils Hein, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).
Email:
Projekt-Webseite: https://www.ufz.de/triplebird/index.php?en=52656