von Frank M. Thomas (Universität Trier & Samarkand State University, Usbekistan)
Usbekistan liegt im Zentrum Mittelasiens, umgeben von Kasachstan im Norden und Westen, Turkmenistan und Afghanistan im Süden und Tadschikistan und Kirgisistan im Osten. Die Landesfläche ist um 25 Prozent größer als diejenige Deutschlands, die Einwohnerzahl aber weniger als halb so hoch. Die Höhenabstufung verläuft von nahezu 4700 Metern an der Grenze zu Tadschikistan bis unter die Höhe des Meeresspiegels an Orten der Wüste Kysylkum im westlichen Teil des Landes, unterbrochen von einigen Gebirgszügen wie der Turkestan-Gebirgskette im Osten und dem Nuratau-Gebirge im zentralen Norden. Dementsprechend verläuft ein Gradient von warm-temperiertem Klima mit warm-trockenen Sommern über trockenes Steppenklima mit kalten Wintern im Südosten bis zu aridem Wüstenklima mit kalten Wintern im Nordwesten.

Abbildung 1 Juniperus-pseudosabina-Bestand im Zaamin-Nationalpark in Ost-Usbekistan. © F.M. Thomas
Beeindruckend sind die ausgedehnten Wacholderbestände (Juniperus pseudosabina) in den höheren Lagen der östlichen Gebirge (Abb. 1). Zu den Wäldern, die insgesamt nur gut 20 Prozent der Landesfläche bedecken, gehören auch die Auwälder (Tugai) entlang der Flüsse Amudarja (Abb. 2), Syrdarja und Zarafshon (Serafschan). Sie werden von Pappelarten beherrscht (Populus euphratica [syn. P. diversifolia] und P. pruinosa). Das Amudarja-Gebiet ist auch ein Habitat des in seinem Bestand gefährdeten Buchara-Hirschs (Cervus hanglu bactrianus). Der Amudarja mündet allerdings wegen exzessiver Wasserentnahme zur Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen schon seit Jahrzehnten nicht mehr in den Aralsee.

Abbildung 2 Pappeldominierter Tugai-Auwald am Unterlauf des Amudarja. © F.M. Thomas
In den trockeneren Regionen wachsen zahlreiche Geophyten, unter ihnen ungefähr 40 Arten von Wildtulpen (Abb. 3). Landschaftsprägend in den Halbwüsten sind allerdings trockenheits- und salztolerante Sträucher wie Arten von Saxaul (Haloxylon), Tamarisken (Tamarix) und Calligonum sowie Halbsträucher wie Alhagi, die auch in anderen Regionen Zentralasiens verbreitet sind. Diese Vorkommen laden dazu ein, Unterschiede zwischen den Arten in der Angepasstheit ihrer ökologischen Eigenschaften an ihre jeweiligen Wuchsorte zu untersuchen und mit ihrer Phylogenie in Beziehung zu setzen, wie dies z. B. für Tamarix-Arten geschehen ist (Akhmedov et al. 2025).

Abbildung 3 Tulipa biflora (syn. T. sogdiana) in der Wüste Kysylkum nahe Buchara. © F.M. Thomas
Die ehemalige Sowjetrepublik steht vor großen Herausforderungen in der Bewältigung von Umweltbelastungen. Das größte und international wohl bekannteste Umweltproblem ist die Austrocknung des Aralsees, auf usbekischer Seite infolge der Entnahme gewaltiger Wassermengen aus dem südlichen Zufluss des Sees, dem Amudarja, zur Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen, vor allem Baumwolle, seit der Stalinära der Sowjetzeit. Versalzung des Sees und seiner Umgebung sowie Belastung seiner trockengefallenen Bereiche mit Rückständen von Düngemitteln und Pestiziden, die vom Wind verblasen werden, sind die Folgen. Etliche landwirtschaftlich genutzte Regionen sind ebenso wie die Flüsse des Landes ebenfalls durch Einträge von Düngemitteln und Pestiziden belastet. Hinzu kommt die für Trockenregionen typische Gefahr der Versalzung des Bodens und Grundwassers durch hohe Evapotranspiration, verstärkt durch falsche Bewässerungstechnik. Wasserknappheit ist ein landesweites Problem, das durch die Klimaerwärmung noch verschärft wird. An edaphisch ungünstigen Standorten können extreme Trockenperioden das Absterben von Pappelbeständen in Auwäldern auslösen (Abb. 4 Akhmedov et al. 2026).

Abbildung 4 Populus-pruinosa-Bestand mit absterbenden Bäumen am Serafschan-Fluss bei Samarkand. © F.M. Thomas
Trotz aller Probleme bleibt Usbekistan mit seinen faszinierenden Landschaften und reichem kulturellen Erbe, das sich unter anderem in den Städten Samarkand, Buchara und Chiwa entlang der historischen Seidenstraße zeigt, ein lohnendes Ziel für wissenschaftliche Aktivitäten. Seit dem Wechsel im Präsidentenamt im Jahr 2016 hat sich Usbekistan gegenüber anderen Ländern einschließlich der westlichen Welt stark geöffnet. Von akademischer Seite aus wird eine verstärkte Kooperation in Forschung und Lehre angestrebt. Ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind für Lehrtätigkeit und Forschungskooperationen im Land hoch willkommen. Aus eigener Erfahrung sind Forschungsarbeiten im Land problemlos möglich. Lehr , Studien- und Forschungsvorhaben können beispielsweise durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert werden (https://www2.daad.de/deutschland/stipendium/datenbank/de/21148-stipendiendatenbank/).