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    Photovoltaik im ländlichen Raum kann mehr Vielfalt bringen: Forschung zur ökologischen Diversität unter den Paneelen

    von Broder Breckling (Universität Vechta & Universität Bremen), Karen Baumann (Universität Vechta) & Manfred Kayser (Universität Vechta)

    Agri-Photovoltaik

    Die bisherigen Begrifflichkeiten und die generelle Gesetzeslage zu PV-Anlagen auf landwirtschaftlich genutzter bzw. vormals landwirtschaftlich genutzter Fläche sind unübersichtlich und unzureichend. Eine Neu-Kategorisierung, die eine übersichtliche Zuordnung der mit PV kombinierten landwirtschaftlichen Flächennutzung ermöglicht ist dringend erforderlich – nicht zuletzt für die Beantragung von Fördermitteln – und wurde von Hamidi et al. (2024) herausgearbeitet.

     

    Abb.1: Agri-PV-Anlage Freienwill (Schleswig-Holstein). Auf 85 % der ökologisch bewirtschafteten Fläche wurde Hafer eingesät. Die Streifen im Bereich der Aufständerung bieten Raum für eine diverse Wildflora (und Fauna). Zur Durchfahrt bei der Bewirtschaftung lassen sich die Paneele in die Vertikale klappen. (Bild: B. Breckling)

    Freiflächen-Anlagen und biologische Vielfalt

    Ökologische Forschung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Anlagen-Design und Bewirtschaftung von PV Freiflächenanlagen, die den Rückgang an Biodiversität im Agrarraum wirksam abmildern können. Bestimmend für die Heterogentität in Freiflächenanlage ist die Größe der Anlage, die Breite der Wege und Abstände zwischen den Modulen und die Ausgestaltung der Module selber (siehe auch Schmidt und Seidel 2025). Die kleinräumige Heterogenität, resultierend aus Teilbeschattung und Traufbildung, bedingt dabei eine Vielfalt von Nischen für eine breite Artenvielfalt (z.B. Baumann et al. 2025).

     

    Abb.2: In der PV-Anlage Klein-Rheide (Schleswig-Holstein) hat sich unter den PV-Paneelen eine artenreiche Pflanzengesellschaft etabliert, die an schattige Bedingungen mit reduzierter Temperatur-Amplitude angepasst ist. Bewirtschaftungsformen zu fördern, die eine solche Ansiedlung ermöglichen, sollten weiter untersucht und gefördert werden. (Bild: B. Breckling)

    Photovoltaik und Klimaschutz

    Die Etablierung von PV auf wiedervernässten Moor-Standorten ist ebenfalls ein Themenfeld mit Entwicklungspotenzial und eine mögliche Einkommensalternative für Landwirtinnen und Landwirte, während gleichzeitig biologische Vielfalt erhalten und gefördert werden kann (https://www.moorwissen.de/moorpower.html).

    Abb.3: Auch auf einer wiedervernässten Fläche kann PV mit Zielen der Biodiversitäts-Förderung und dem Klimaschutz sehr gut verträglich sein (nasse Teilfläche auf der PV-Anlage Klein-Rheide, Schleswig-Holstein). (Bild: B. Breckling)

    Untersuchung von Flächenpotenzialen

    Für den Erhalt und die Förderung biologischer Vielfalt im ländlichen Raum ist eine Raumanalyse nützlich, um geeignete Nutzungsformen zu identifizieren und deren Flächenpotenziale zu quantifizieren. Hierzu haben wir beispielhaft eine Methode entwickelt, die auf der Basis von ATKIS-Daten Randstreifen-Potenziale für Photovoltaik-Nutzungen identifizieren kann (Foth et al. 2026). Ähnlich ließen sich weitere Potenziale für anderer Anlagenformen erschließen.Verschiedene PV-Anlagentypen bieten für Diskussionen um Klimaschutz, den Übergang von fossilen zu regenerativen Energien und dem Erhalt biologischer Vielfalt ein erhebliches Potenzial, um technische, wirtschaftliche und ökologische Zielkonflikte auf einen produktiven Nenner zu bringen. Dies bietet die Möglichkeit wirtschaftlich tragfähige Formen des Biodiversitätsschutzes zu entwickeln, zu denen Ökologen maßgeblich beitragen können.

    Abb.4: In Lottorf (Schleswig-Holstein) wurde eine ehemals drainierte Fläche für PV umgenutzt. Den zur Beweidung eingesetzten Schafen bietet die Installation eine offensichtlich angenehme Möglichkeit, den Aufenthalt wetterbedingt zu variieren – beschattet, regengeschützt oder auf freier Fläche. (Bild: B. Breckling)

    Zitierte Literatur

    Baumann, K., Avila Carrillo, C.J.R., Hamidi, D., Colombo, A.W., Kayser, M. (2025): Impact of a dummy field-photovoltaic construction on the early development of a multispecies sward. Grassland Science in Europe, 30, 428-430. eISBN: 978-90-047-5116-3 / eEAN: 9789004751163.

    Foth, H., Pesch, R. & Breckling, B. (2026) GIS-based analysis of field margin photovoltaic potential at the landscape level in northwestern Germany. Sci Rep 16, 13394. https://doi.org/10.1038/s41598-026-48425-2

    Hamidi, D., Baumann, K., Kayser, M., von Witzke, H., Isselstein, J. (2024) Agronomische und ökologische Potenziale von Photovoltaikanlagen auf Grünland. Berichte über Landwirtschaft, Band 102 (2), doi: 10.12767/buel.v102i2.514

    Seidel, A., Schmidt, C. (2025) Förderung von Biodiversität in Freiflächensolaranlagen: fachliche Vorschläge zur Gestaltung und Umsetzung (Teil A und B). Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/43783, https://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A95916/attachment/ATT-0/

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