Liebe Mitglieder der GfÖ,
dieses Nachrichtenheft erhalten Sie zum ersten Mal online – die Diskussion darüber wurde schon länger im Vorstand geführt, nun ist es erstmals umgesetzt, denn die Notwendigkeit, Kosten zu verringern, macht auch vor der GfÖ nicht Halt. Trotzdem hoffen wir natürlich darauf, dass auch dieses Nachrichtenheft Ihre Aufmerksamkeit findet. Eine weitere Neuerung: das Nachrichtenheft der GfÖ wird nicht mehr durch ein Editorial vom Präsidenten Christian Ammer eingeleitet und durch Simone Pfeiffer gestaltet. Herzlichen Dank, Christian und Simone, für Eure hervorragende Arbeit in den vergangenen sechs Jahren! Christians Amt habe ich, Boris Schröder-Esselbach, zum Jahreswechsel angetreten und bin nun gemeinsam mit Sebastien Fiedler, dem neuen Schriftführer, einer der zwei Neuen im Vorstand.
Für diejenigen, die bei der Jahrestagung in Würzburg nicht dabei sein konnten, möchte ich mich kurz vorzustellen. Nach dem Geoökologiestudium an der TU Braunschweig habe ich dort im Jahr 2000 bei Otto Richter, einem der ersten Modellierer in der Ökologie Deutschlands, promoviert und dabei Modellierungsansätze für den Naturschutz entwickelt. Richtungsweisend war für mich dann die Zeit als Postdoc in der Landschaftsökologie bei Michael Kleyer an der Uni Oldenburg und danach der Aufbau eines Profils in der Quantitativen Landschaftsökologie als Assistent und danach als Gastprofessor für Umweltmodellierung an der Uni Potsdam. Für knapp zwei Jahre wechselte ich als Professor für Landschaftsökologie an die TU München und von dort für 10 Jahre an die TU Braunschweig. Ende 2023 kam ich dann schließlich als Nachfolger von Ingo Kowarik an die TU Berlin, wo ich das Fachgebiet Pflanzenökologie leite, in dem auch Sebastian Fiedler arbeitet. Wir untersuchen die Struktur, Dynamik und Funktionalität von Ökosystemen und Landschaften in Reaktion auf den Klima- und Landnutzungswandel. Unsere Arbeitsschwerpunkte liegen dabei in Stadt- und Küsten-, aber auch Agrar- und Waldsystemen. Wichtigstes Werkzeug ist die statistische und prozessbasierte Modellierung auf der Basis von vielfältigen Freilanduntersuchungen. Hier, in der Rothenburgstr. 12 in Steglitz, wurde vor nunmehr 53 Jahren vom Anfang des Jahres verstorbenen Herbert Sukopp das erste „Institut für Ökologie“ in Deutschland gegründet, in dem auch die GfÖ ihre Geschäftsstelle hat. Die GfÖ ist seit dem Ende meines Studiums mein „wissenschaftliches Zuhause“ und die Quelle vieler wissenschaftlicher Kontakte; von 2002-10 war ich gemeinsam mit Tina Heger, Hauke Reuter und Angela Weil im Sprecherteam des AK „Theorie in der Ökologie“. Zum 50. Geburtstag der GfÖ hatte ich die Freude, gemeinsam mit Jens Dauber und unseren Teams eine – 2021 letztlich leider nur virtuelle – GfÖ-Tagung in Braunschweig auszurichten.
Das Präsidium der GfÖ hat in den letzten Jahren einige große Themen adressiert und im letzten Jahr eine Vision formuliert, die wir nun gemeinsam und getragen von vielen aktiven Mitgliedern und lebendigen Arbeitskreisen weiter vorantreiben wollen. Wir alle wissen, dass die aktuellen Krisen große Bedrohungen für eine lebenswerte Zukunft darstellen. Uns ist klar, wie wichtig es ist, evidenzbasierte Lösungsansätze für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu entwickeln. Doch ökologische Themen werden im gesellschaftlichen Diskurs verstärkt in den Hintergrund gedrängt; Populisten schüren eine Wissenschaftsskepsis, ja -feindlichkeit, der wir begegnen müssen. Es geht also nicht allein um Erhalt und Förderung der Resilienz ökologischer Systeme, sondern der Resilienz der Wissenschaft ganz allgemein. Dazu wollen wir auch als GfÖ beitragen und Wege finden, „möglichst viele Stimmen aus unserer Gesellschaft einzufangen und ausgewogene, aber klare Positionen zu finden“, wie Christian Ammer es bereits in seinem ersten Editorial 2020 so gut formuliert hat. Wir Ökologinnen und Ökologen sind diejenigen, die etwas von ökologischen Themen verstehen; daher sollten wir uns umso mehr zu diesen Themen positionieren. Auch damit verteidigen wir die Wissenschaftsfreiheit.
Wir wollen die GfÖ als attraktives wissenschaftliches Zuhause gestalten und damit substantiell zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses beitragen, indem wir eine Basis für Vernetzung und ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch sowie auch ein Hort der Methodenvermittlung sind. Dies ist die Basis dafür, einen in meinen Augen unverzichtbaren Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion und evidenzbasierter Meinungsbildung zu leisten. Herzlichen Dank für Ihr und Euer Engagement.
Meine interdisziplinäre Prägung als Geoökologe legt nahe, dass mir die Vernetzung mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften benachbarter Disziplinen ein wichtiges Anliegen ist. Zudem nimmt aktuell die Frage der internationalen Vernetzung mit den Fachgesellschaften anderer Regionen noch einmal richtig Fahrt auf. International sind wir in diesem Jahr auch wieder mit unserer Jahrestagung, die wir vom 13. bis 17. September in Odense in Süddänemark gemeinsam mit der Nordic Society OIKOS NSO ausrichten und zu der ich herzlich einlade. Alle Informationen dazu sind auf der GfÖ-Webseite zu finden. Die Registrierung für die Tagung ist bis zum 14.08. möglich, die early bird-Registrierung endet am 17.07. Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen in Odense und verbleibe mit den besten Wünschen für einen schönen Sommer.
Herzliche Grüße, Ihr/Euer Boris Schröder-Esselbach